Bert Papenfuß: harm

Einige kennen und schätzen ihn seit Jahren, aber sein großes Manuskript Harm muß, als Buch verbreitet, die Anerkennung aller finden, die sich an neuer Lyrik in deutscher Sprache engagieren. Nur des unbeschränkt verbreitbaren Buches bedarf es noch, um Bert Papenfuß-Gorek als einen Dichter ersten Ranges sichtbar zu machen, einen Dichter, der die Düsterkeit unseres historischen Augenblicks in Versen von hoher Originalität festhält, einschneidend und herausfordernd wie experimentelle Poesie, zugleich, Brecht darin ähnlich, fußend auf dem Fundament der deutschen poetischen Tradition. Bitterkeit und dunkle Farbe, Dissonanz und aufgerauhter Ton, das möge allseits bedacht werden, sind nicht wegzudenken von Kunst, die es unternimmt, diese unsere Zeit in Aufrichtigkeit darzustellen. Zu den bedeutendsten Vorzügen des Lyrikers Papenfuß-Gorek gehört es, daß er sich weder auf ein Zukunftsbild beruft, welches, wie immer es aussähe, keinen ‚Wirklichkeitswert besäße, noch aus sich selbst und seiner Einsamkeit ein Modell macht, das für alle zu gelten hätte.
Ernst Jandl, Harm Erstausgabe, KULTuhr Verlag, 1985

Multatuli – Der Fidel Getragen Hat – nannte sich der niederländische Schriftsteller und Sozialkritiker Eduard Douwes Dekker (1820-1887), den Papenfuß für sich und uns wieder entdeckt – hier & jetzt am kreuzweg im flieder – mutterseelennakkt und splitterallein. Indem sein Vers die verordnete Sprache assoziativ und skeptisch dreht und wendet, übt er unversehens Kritik an der faustschnauze Gesellschaft. Das Sprech-Gedicht nimmt auf seine Weise in Geste und Laut die Proteste voraus, wie sie später öffentlich werden – in einem atemzug nur gegenwaertz.
Arkdichtung 77 – „sein großes Manuskript harm muß, als Buch verbreitet, die Anerkennung aller finden, die sich an neuer Lyrik in deutscher Sprache engagieren“ – schrieb dazu Ernst Jandl.

Janus Press, Klappentext, 1993


harm. Gesammelte Texte 3
Gerhard Wolf, Janus press
Berlin 1993
ISBN 3-923034-13-X

Preis: 10,00 Euro